Jugendbeteiligung

24. Juli 2008 | Von Benny Blatz | Kategorie: Meinungen

Der Begriff des „Demografischen Wandels“ ist uns Sprembergern in den letzten Monaten an  unterschiedlichster Stelle begegnet. Aber was kommt da eigentlich auf uns zu? Demografischer Wandel bedeutet in Kurzform, dass die Bevölkerungsstruktur in den nächsten 30 Jahren deutlicher altern und schrumpfen wird. Wir werden 2050 schätzungsweise noch 69 Mio. Bundesbürger sein. Brandenburg wird dann nur noch 1,8 Mio. Einwohner haben und knapp 20% von uns werden dann über 65 Jahre und rund 20% über 80 Jahre alt sein, aber nur noch etwa 14% sind unter 20 Jahren. Auch in Spremberg werden wir diesen demografischen Trend nicht aufhalten. Wir haben zudem das Problem, das viele unserer Studenten und Lehrlinge zwar statistisch noch als Bürger unserer Stadt erfasst sind, weil sie immer noch bei Mutti und Vati ein Zimmer haben, aber als „echte“ Bürger sind sie nur noch an den Wochenenden und den Feiertagen hier. Ausbildung und Studium sind auswärts und die Bestrebungen nach Heimkehr schrumpfen mit jedem Tag in der Ferne. Kommt dann noch ein Partner in der neuen Lebensumwelt unserer jungen Menschen hinzu, scheidet der Weg in die Heimat meistens ganz aus. Wir haben also immer noch konstante Abwanderungsbewegungen bei vor allem jungen Menschen, die eigentlich den Nachwuchs unserer Stadt sichern sollen. Die Abwanderung ganzer Jahrgänge ist vor allem mit den individuellen Zukunftsperspektiven unserer jungen Spremberger verbunden.

Ein weitaus gefährlicheres Problem, welches sich daraus zunehmend entwickelt und das uns alle betrifft, ist der damit verbundene Rückgang jugendlicher Beteiligung am gesellschaftlichen und politischen Leben unserer Stadt. Das Durchschnittsalter unserer Abgeordneten in der SVV liegt aktuell bei knapp 57 Jahren, der jüngste Abgeordnete ist etwa 40 Jahre alt. Wir haben also nicht einen „jungen“ Vertreter unter 30 Jahren in diesem so wichtigen Gremium der Stadt. Selbst bei den sachkundigen Bürgern in den Ausschüssen sieht es kaum besser aus. Wenn unsere Jugend sich aber nicht mehr am politischen Prozeß beteiligt, läuft sie Gefahr, stimmenlos unterzugehen und nur noch aus parteitaktischen Gründen berücksichtigt zu werden.

Darum müssen wir wieder mehr junge Menschen an der politischen Arbeit in unserer Stadt beteiligen! Um heutige Lebensräume und Lebensweisen zu verstehen und gemeinsam unsere Stadt für zukünftige Generationen zu gestalten, brauchen wir den Dialog mit dieser Generation. Wir gewinnen unsere Jugendlichen aus den Zukunftsängsten, sozialen Brennpunkten und den Fängen brauner Demagogen nur zurück, wenn wir ihnen zeitgemäße Perspektiven, Verantwortung und Respekt anbieten können.

Wir brauchen zudem hochwertige und zugleich kostenlose Kinderbetreuung, zusätzliche Familienhilfe, neue Bildungsansätze, kontinuierliche, aber vor allem bedarfsorientierte Jugendarbeit und eine finanzielle Entlastung sozial gefährdeter Familien. Es wird zunehmend wichtig sein, eine Gesellschaft zu fördern, in der Generationen für einander wieder Verantwortung übernehmen wollen. Hervorragende Ausbildungsmöglichkeiten für unsere jungen Menschen haben wir eigentlich mit den großen Industriebetrieben vor der Tür – was wir offenbar nicht haben, sind ausreichende Perspektiven die ein “Hierbleiben” und eine Familiengründung der jungen Menschen in unserer Stadt zulassen. Wir müssen junge Menschen am politischen Prozess beteiligen, wenn wir wollen, dass unsere Kinder eben wirklich die Zukunft dieser Stadt sind.

Diesen Beitrag konnten auch Sie in der Ausgabe 16 der SPD-Zeitung SPB Spremberger Politische Berichte lesen!

Benny Blatz

Photoquelle: Montage aus Material von photocase.de

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