Die Sache mit der Demografie

29. Dezember 2008 | Von Benny Blatz | Kategorie: Meinungen

Viel wurde über den demografischen Wandel gesprochen. Da ist die Rede von plötzlichem Fachkräftemangel, alternder Bevölkerung, strukturell bedingter Fluktuation und vielen anderen Begrifflichkeiten. Was aber genau heißt denn der Demografische Wandel für unsere Heimatstadt Spremberg und die umliegende Region.

Mit Hilfe der Bertelsmann Stiftung, dem Statistischen Bundesamt und ein paar eigener Anmerkungen möchte ich einmal die verschiedenen Fragen zusammentragen und den immer deutlicher werdenden demografischen Wandel anhand von Statistik und wissenschaftlichen Fakten verdeutlichen.

Der Demografische Wandel beschreibt die Bevölkerungsveränderung infolge von Größenveränderungen bei der Fertilitätsrate sprich Geburtenrate, der Lebenserwartung und Mortalität sprich Sterberate und dem Wanderungssaldo. Der Wanderungssaldo ergibt sich aus den Zu- und Abwanderungen im Laufe eines statistischen Zeitraumes (meistens 1 Jahr).

Als größtes Problem stellt sich in Deutschland die niedrige Fertilitätsrate also Geburtenrate dar. Zum Erhalt einer Bevölkerungsgröße gehen Statistiker von einer Mindestgröße von 2,1 lebendgeborenen Kindern pro Frau aus. Diese statistische Größe erreichte Deutschland schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts nicht mehr.  Einzig in den Jahren nach dem Krieg konnte dieser Wert kurzzeitig in der Zeit von 1955 bis 1965 überschritten werden. Heute bezeichnet man diese Zeit als Babyboom. Danach setzte der sogenannte Pillenknick ein (die Antibabypille wurde eingeführt) und die Fertilitätsrate sank auf etwa 1,4, wo sie bis heute mit kleinen Ausbrüchen nach oben und unten seit dem stagniert.

Diese in der Zeit von 1955 bis 1965 geborenen Jahrgänge haben heute eine statistische Lebenserwartung von etwa 67 Jahren (Männer) und 72 Jahren (Frauen).  Die in 2007 geboren Kinder hingegen weisen eine Lebenserwartung von etwa  76,6 Jahre bei Jungen und 82,1 Jahre bei Mädchen auf. Dieser Anstieg der Lebenserwartung hängt mit den positiv veränderten Lebens- und Arbeitsbedingungen, aber auch dem Gesundheitssytem, der allgemeinen Versorgung und den äußeren Rahmenbedingungen wie Frieden, Umweltschutz, verbesserte Verkehrstechnik etc. zusammen.

Quelle: Leibniz-Institut für Länderkunde e.V.

Quelle: Leibniz-Institut für Länderkunde e.V.

Daraus ergibt sich jedoch ein grundsätzliches Problem für unsere Gesellschaft. Es wird in den kommenden Jahren zwar einen stetigen Rückgang der Bevölkerungsanzahl geben, jedoch zeitgleich einen anstieg der alten und hochaltrigen Bevölkerungsanteile, für die die nachwachsende Generation Rente und andere Sozialleistungen erwirtschaften muss.

Erstaunlicher Weise sind andere hochentwickelte Industriestaaten bei der Fertilitätsrate besser aufgestellt als wir. Neben Israel und Neuseeland ist beispielsweise in den USA die Fertilitätsrate mit 2,1 bevölkerungserhaltend und durch die Wanderungsgewinne wächst die Bevölkerung der USA jährlich. Aber auch andere  Staaten haben eine größere Geburtenrate, insbesondere in den südamerikanischen und asiatischen, aber auch arabischen und afrikanischen  Staaten werden mehr Kinder geboren als in Deutschland. Zu berücksichtigen gilt hier jedoch, dass in vielen Schwellenländern Kinder als Altersversorgung angesehen werden, bzw. Verhütung nicht oder nur wenig verbreitet ist. Im Zusammenhang mit der Lebenserwartung wird schnell klar, dass in diesen Ländern zwar mehr Kinder geboren, die Menschen aber statistisch bedeutend “kürzer” leben.

Im Jahr 2050 gehen die deutschen Statistiker von einer Bevölkerungsgröße um die 71,4 bis 68,7 Millionen aus – je nach Zuwanderungsbilanz. Das ist eine Bevölkerungsabnahme von knapp 11 bis 14 Millionen Bundesbürgern in den kommenden 42 Jahren. Zudem wird ein erheblicher Teil der Bevölkerung immer älter werden.

Die Statistiker des Bundesamtes für Statistik haben dafür ein Schaubild entworfen mit folgenden Annahmen: Geburtenhäufigkeit annähernd konstant bei 1,4 Kindern je Frau und die Lebenserwartung Neugeborener im Jahr 2050 liegt dann bei Jungen 83,5 Jahre und Mädchen 88,0 Jahre und zusätzlich kommen jährlich 100.000 neue Bundesbürger durch Zuwanderung ins Land.

Quelle: http://www.destatis.de

Quelle: http://www.destatis.de

Quelle: http://www.destatis.de

Quelle: http://www.destatis.de

Man erkennt deutlich wie sich die Pyramide verändert und sich die Bevölkerungsgruppen nach oben verschieben. In dem statistischen Modell nimmt man für 2050 eine Geburtenzahl von nur noch rund 500.000 Kindern an. Auch das wäre eine logische Folgeerscheinung der Bevölkerungsabnahme. Bereits jetzt macht sich der Trend der späten Geburten bemerkbar. Damit könnten zukünftig weitere “Beulen” in der Alterspyramide entstehen. Denn ein frühzeitiger Kinderwunsch wird von den meisten jungen Frauen heute abgelehnt und führt so zu einer weiteren Verengung der unteren Pyramide.


Welche Bedeutung hat dieser Trend für Spremberg?

Mit Hilfe der Bertelsmann Stiftung ist es möglich einen zumindest statistischen Ausblick bis ins Jahr 2025 zu nehmen. Am Ende der Seite finden Sie verschiedene Links zur Bertelsmann Stiftung für weitere Informationen.

Starten wir mit den Bevölkerungspyramiden 2008 und 2025 für Spremberg:

Quelle: Bertelsmann Stiftung

Quelle: Bertelsmann Stiftung

Quelle: Bertelsmann Stiftung

Quelle: Bertelsmann Stiftung

Auch auf diesen Schaubildern ist zu erkennen wie sich der “Bauch” der Bevölkerung weiter nach oben verschiebt. Die Zahl der Neugeboren wird sich nach den Berechnungen der Bertelsmann Stiftung bis 2025 halbieren. Es wird angenommen dass 2025 nur noch etwa 80 Kinder in Spremberg das Licht der Welt erblicken. Damit steht ein zu erwartender Bevölkerungsrückgang von etwa 18,7 % bis 2025 ins Haus. Wenn man dann nachfolgende Grafik betrachtet erkennt man, dass fast die Hälfte der dann in Spremberg lebenden Bürgerinnen und Bürger nicht im aktiven Berufsleben stehen werden. Gemeint sind damit Rentner, Schüler und Studenten, sowie natürlich Kinder.

Quelle: Bertelsmann Stiftung / eigene Grafikanpassung

Quelle: Bertelsmann Stiftung / eigene Grafikanpassung

Etwa 9% der Spremberger werden 2025 genau 80 Jahre und älter sein und immerhin 22,9% zwischen 65 und 79 Jahren alt sein, damit hängt auch ein erhöhter Bedarf an infrastrukturellen Dienstleistungen zusammen. Neben medizinischer Versorgung wird auch Altenpflege und betreute Wohnformen ein akutes Thema werden. Öffentlicher Nahverkehr, Einkaufsmöglichkeiten und altersgerechte Wohnumfeldgestaltung müssen schon jetzt geplant und hergerichtet werden.

Oder wir tuen etwas gegen die Abwanderung – bei einem anhaltendem Abwanderungsverhalten jungen Menschen, insbesondere junger Frauen und dem konstanten Stand von 1,2 lebendgeborenen Kindern pro Sprembergerin (Stand 2006) wird unsere Stadt in den kommenden 16 Jahren bis zu 4.500 weitere Einwohner verlieren. Mit welchen Ideen ich mich für “Heimkehrer” und “Hierbleiber” stark machen werde, das können Sie demnächst hier erfahren…

Zum Abschluss noch ein paar Kennzahlen aus dem Dossier der Bertelsmann Stiftung über Spremberg:

Einwohnerzahl per 31.12.2006: 25.952

Durchschnittsalter per 31.12.2006: 45,2 Jahre (2003: 43,8 Jahre)

Durchschnittsalter 2025: 51,8 Jahre

Bevölkerungsanteile 2006:  49.7 % weiblich / 50.3 männlich

Bevölkerungsanteile 2025:  52.5 % weiblich / 47.5 männlich

Die Bertelsmann Stiftung gibt auf ihrer Internetseite noch viele weitere Infos rund um Spremberg, so kann man dort das Steueraufkommen pro Kopf finden, die durchschnittliche Wohnfläche und vieles vieles mehr. Lesen Sie mal hier direkt in den interaktiven Grafiken KLICK oder Sie besuchen die Bertelsmann Stiftung unter http://www.wegweiser-kommune.de und vergleichen tausende Kommunen oder Sie laden sich ausführliche Dossiers auf Ihren PC  – Viel Spass!

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